Politische Vielfalt am Wilhelmi-Gymnasium

Von allen Parteien fand sich am heißen Donnerstag-Nachmittag ein Vertreter im Musiksaal des Wilhelmi-Gymnasiums ein, nachdem die SMV zu einer Podiumsdiskussion für die Jahrgangsstufen 10 und 11 anlässlich der im Herbst anstehenden Bundestagswahl eingeladen hatte. Und so konnte Schulleiter Thomas Gißmann fünf Politiker und eine Politikerin begrüßen - Moritz Oppelt (CDU), Elisabeth Krämer (SPD), Dr. Memet Kilic (Bündnis90/Die Grünen), Heinrich Stürtz (DieLinke), Dr. Jens Brandenburg (FDP) und Achim Köhler (AfD) – und den großen Mehrwert einer solchen pluralistisch besetzten Diskussionsrunde für die politische Meinungsbildung betonen. Durch die eigentliche Veranstaltung führten, inhaltlich souverän und sehr freundlich, wenn nötig aber auch bestimmt, Farah Maktoul und Anastasia Moor.

In der ersten Runde mussten die sechs Gäste ihnen zugeloste, teils noch unpolitische Fragen beantworten – eine Möglichkeit für die Jugendlichen im Publikum, einen ersten Eindruck von den Politikern zu erhalten.

In Runde zwei ging es dann politisch zur Sache: Zu vier Themenfeldern (Europa, Soziale Gerechtigkeit, Integration und Innere Sicherheit) hatten Schüler und Schülerinnen im Vorfeld im Gemeinschaftskunde-Unterricht Fragen formuliert; diese wurden nun gestellt und jedem Politiker blieb eine Minute für die Beantwortung – ein Zeitlimit, dessen Einhaltung dem ein oder anderen offensichtlich gelegentlich schwer fiel. Die jeweiligen Antworten fielen vielfältig aus. Auf die Frage nach der Zukunft der EU angesichts der britischen Brexit-Bestrebungen und der zahlreichen europa-skeptischen Parteien wurde bspw. auf so unterschiedliche Aspekte wie die Bedeutung des Euro, die (Ohn-)Macht des Europäischen Parlaments und die Rolle Europas als Friedenssicherer in der Nachkriegsgeschichte eingegangen. Alle Parteien waren sich einig in der grundsätzlichen Wertschätzung Europas, ebenso jedoch in der Notwendigkeit von Reformen für die Überlebensfähigkeit der EU und deren Akzeptanz bei den Bürgern. Auch beim Thema „Ehe für alle?“ wollte keiner aus der grundsätzlichen Toleranz und Offenheit ausscheren, doch waren in den konkreten Vorstellungen hierzu doch Unterschiede zu erkennen und erstmalig wurden in diesem Zusammenhang auch Aussagen zu möglichen Koalitionsverhandlungen nach den Bundestagwahlen getroffen.

In Runde drei schließlich konnten die Schülerinnen und Schüler im Publikum weitere Fragen stellen. Thematischer Schwerpunkt hierbei war die Bedeutung von Konsens und Dissens in der politischen Debatte und in der Arbeit im Bundestag. Auch wenn in diesem Zusammenhang auf dem Podium Uneinigkeit über die Definition des Begriffs „Opposition“ herrschte, so war man sich einig über die Notwendigkeit unterschiedlicher politischer Ziele und Vorstellungen über deren Umsetzung, die von verschiedenen Parteien vertreten werden.

Nur wenn „Wählen“ auch ein „Auswählen-Können“ im Rahmen einer bunten Parteienlandschaft und in einer pluralistischen Gesellschaft mit freier Presse bedeutet, können wir von demokratischen Wahlen sprechen – in Deutschland für alle (Erst-)Wähler eine Selbstverständlichkeit, auch dank der der Kandidaten für die Bundestagswahlen. Die Schülerschaft dankte den sechs Politikern mit hoher Aufmerksamkeit während der gelungenen Veranstaltung und mit großer Zufriedenheit im Anschluss, von jugendlicher Politikverdrossenheit also keine Spur!