Soziales Schulleben wird mit hartem Manager-dasein getauscht
Lehrer-Theater -Gruppe des Wilhelmi Gymnasiums probt „Top Dogs“ – Bitterböses Theaterstück – Premiere am Samstag

von Berthold Jürriens
Sinsheim. (bju) Der Sonntagvormittag ist auch für Pädagogen eher eine Tageszeit, die zum ausgiebigen Frühstücken oder langem Ausschlafen einlädt. Beim Lehrertheaterensemble des Wilhelmi-Gymnasiums wird dieser Ruhetag aber auch schon mal zu einem „Probetag“ umgewandelt. Vor allem dann, wenn in weniger als einer Woche die Premiere eines neuen Stücks auf dem Programm steht. Sie stehen als „Top Dogs“, so der Titel des mehrfach preisgekrönten Stücks, auf der Bühne, als Spitzenkräfte aus den Managementetagen unserer Wirtschaftswelt, die plötzlich selbst zu Entlassenen werden. „Es ist ein ganz und gar böses Stück“, findet Regisseurin Uta Kissenbeck, die zum dritten Mal die Fäden bei der Inszenierung in der Hand hat und auch für das Bühnenbild verantwortlich ist. Der Autor Urs Widmer erzähle darin Geschichten jener „Wirtschaftskönige", die vor kurzem noch an den Hebeln der Macht saßen und sich jetzt in einem Seminar für arbeitslose Manager wiederfinden. 1996 uraufgeführt, hat die Vorlage über „hochdotierte Anzugsträger“ und ihren tiefen Fall immer noch ironischen Biss. Für die Pädagogen alles andere als eine einfache Rolle. „Wir sind ja eher sozial, hilfsbereit oder einfühlsam. Eigentlich alles, was dem Klischee von den harten Managern nicht entspricht.“ Axinja Roß hat ihre eigene Methode gefunden, um die gefühlskalte Geschäftsfrau nachzuempfinden. „Mein Hosenanzug und vor allem die Pumps“, zeigt sie auf ihr Schuhwerk. Sie schlüpft wortwörtlich in die Rolle der „Susanne Wrage“. Auch Gregor Gund hat sich für seinen „Dr. Neuenschwander“ etwas Besonderes ausgedacht. „Den konnte ich mir nur mit österreichischen Dialekt und dem dazugehörigen Wiener Schmäh vorstellen.“ Die vielen Monologe seien eine Herausforderung für die Laienschauspieler, weiß Kissenbeck. „Und auch für die Zuschauer.“ Deswegen habe man sich einen „Theaterkniff“ ausgedacht, bei dem die Zuschauer aktiv werden müssen, denn neben dem Musiksaal wird auch der Lichthof der Schule zur Bühne. „Seit Sommer 2015 wurde der Text gelernt und einzelne Sprechszenen vorgespielt. Erst im neuen Jahr haben wir alles zusammengefügt, was einiges erschwert.“ Noch fehle es ein wenig an Tempo. Das Wort ruft die Regisseurin so häufig wie kein anderes, wenn die geschassten Manager für ihre berufliche Weiterverwertung fit gemacht werden oder die Gruppe eine „Schlacht der Wörter“ austrägt. „Bewusster sprechen“ oder „Ihr müsst das aushalten“, dirigiert die Regisseurin lautstark. Dort wird noch der Text vergessen, hier stört eine Kaffeekanne und zwischendurch der Kommentar eines Schauspielers, dass das Stück doch einige Schwächen habe. Hinzu kommen gesundheitlich angeschlagene Darsteller und die Regisseurin muss die Eröffnungsszene auch noch kürzen. „Der ganz normale Theaterwahnsinn“, lächelt Kissenbeck, die weiß, dass am Ende alles passen wird und die genau wie das Ensemble gespannt ist, ob das Stück mit diesem heiklen Thema beim Publikum ankommt.

(Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Verfassers)


Urs Widmers „Top Dogs“ – Wilhelmi-Lehrer spielen am Abgrund
„Sie sind entlassen!“ Was für ein Schock – oder alles ganz cool nehmen? Mir nichts, dir nichts finden sich acht eben noch hoch dotierte Manager – „Top Dogs“, wie die Branche sie nennt – nach ihrem rüden Rauswurf in einem Schweizer Coaching Center wieder. Sie sollen seelisch aufgebaut und wieder fit gemacht werden für den Wiedereinstieg ins Berufsleben, möglichst für die nächste große Karriere als global player. Was nicht heißt, dass man sie sehr zimperlich anpackt – im Gegenteil, schnell geht es unter den Alphatieren ziemlich zur Sache…


Die Lehrer-Theater-Truppe des Wilhelmi-Gymnasiums hat sich dieses Mal ein Stück von Urs Widmer vorgenommen, das die Führungsetagen der großen Konzerne schonungslos bloßstellt. Die Aufführungen finden im Musiksaal des Wilhelmi-Gymnasiums am 12., 13., 19. und 20. März 2016 jeweils um 19.00 Uhr statt. Karten bekommt man im Sekretariat des Wilhelmi-Gymnasiums, in der Buchhandlung Doll und an der Abendkasse zu 10 €, ermäßigt 5 €.

'Kuckucksnest' für einen guten Zweck - Spende an "Starke Familien"

Wenn Eltern aufgrund einen psychischen Erkrankung nicht mehr so funktionieren (können), wie das Kinder eigentlich brauchen, dann wird nicht nur das Bewältigen des Alltags zum Problem, sondern auch die Zukunft solcher Kinder. Ein kleiner Lichtblick in diesem weiten Feld ist die Arbeit des Bürgerkreises für psychosoziale Arbeit e.V. Sinsheim und die Lehrer-Theatergruppe des Wilhelmi-Gymnasiums spendete nun die Hälfte ihrer Aufführungseinnahmen, um diese Arbeit zu unterstützen.

In Zusammenarbeit mit der psychologischen Beratungsstelle hat der Bürgerkreis im Rahmen des Projekts „Vergessene Kinder im Fokus“ ein Angebot entwickelt, in dem betroffene Eltern, vor allem aber die Kinder aus Familien mit psychisch erkrankten Elternteilen Hilfe und Halt finden. In Gruppen für 6- bis 10-Jährige und 11- bis 14-Jährige wird gemeinsam gespielt, gemalt, gekocht, gebacken und gegessen. Gerade das Erleben von Gemeinsamkeit wird hier zum Schlüssel für die Kinder, die so etwas von daheim wenig oder gar nicht kennen. Ziel der Spielgruppe ist es, altersgerecht über die Erkrankung der Eltern aufzuklären und den Kindern die Möglichkeit zu geben, eigene Gefühle und Bedürfnisse (wieder) wahrzunehmen. Die Zeit, die in der Gruppe verbracht wird, soll frei sein von zu großer Verantwortung und von Schuldgefühlen, die oft den Alltag zu Hause prägen. Die Kinder erleben sich als Kinder, treffen auf andere in ähnlicher Situation und beginnen auch, sich über den Umgang mit ihrer speziellen Lage auszutauschen. Gerade darum kann diese Art der Unterstützung nur langfristig angelegt werden: Vertrauen und Sich-Öffnen braucht nun einmal Zeit.

Der Zusammenhang zwischen als Kind erlebten Erkrankungen und einer eigenen Erkrankung im Erwachsenenalter ist seit langem bekannt und dennoch findet kaum Prävention statt. Auch unter diesem Gesichtspunkt ist die stabilisierende Wirkung der Arbeit des Bürgerkreises nicht hoch genug einzuschätzen. Leider ist es derzeit so, dass die Finanzierung dieses so wichtigen Projekts sehr unsicher ist und nur noch für dieses Jahr läuft. Was danach passiert, weiß beim Bürgerkreis im Moment noch niemand. Da ist die Spende über 1300 € der Lehrer-Theater-Gruppe des Wilhelmi-Gymnasiums aus dem Erlös der Aufführungen von „Einer flog über das Kuckucksnest“ nur ein Tröpfchen auf dem heißen Stein. Und doch sollte damit deutlich werden, wie wichtig und immer wichtiger die Einrichtung solcher Anlaufstellen in unserer Gesellschaft ist.




„Einer flog über das Kuckucksnest“ – Wilhelmi-Lehrer spielen verrückt

Lehrer machen doch jeden Tag Theater – so sollte man meinen… aber doch eher im Klassenzimmer und nicht unbedingt zur öffentlichen Unterhaltung auf der Bühne. Am Samstag, den 24. und Sonntag, den 25. Januar 2015 ergibt sich für alle Interessierten die einigermaßen seltene Gelegenheit, das Lehrer-Theater-Ensemble des Wilhelmi-Gymnasiums gleichermaßen schräg wie anrührend komisch zu sehen – in „Einer flog über das Kuckucksnest“ von Dale Wasserman (nach dem gleichnamigen Roman von Ken Kesey). Eine tyrannische Oberschwester mit ihrem Gefolge, ein Rebell mit Herz, halbseidene Damen und ein Haufen Verrückter liefern sich spannende Duelle bis zum dramatischen Schluss…
Die Aufführungen finden im Musiksaal des Wilhelmi-Gymnasiums jeweils um 19.30 Uhr statt und sind für Menschen ab 14 Jahren geeignet. Karten bekommt man im Sekretariat des Wilhelmi-Gymnasiums, in der Buchhandlung Doll und an der Abendkasse zu 10 €, ermäßigt 5 €.


Ärztliche Visite am Wilhelmi-Gymnasium

Am 12. und 13.10.13 fanden am Wilhelmi-Gymnasium gleich zwei Premieren statt: Nicht nur, dass das Lehrertheaterensemble zum ersten Mal sein großes Engagement präsentierte, sondern erstmals wurde das Wilhelmi Schauplatz gleich mehrerer ärztlicher Visiten. Das Lehrertheaterensemble spielte unter der Leitung von Uta Kissenbeck „Der eingebildete Kranke“ von Molière und hielt einige Überraschungen für das Publikum bereit.

Im Mittelpunkt des Stücks steht ein „armer, alter, schwacher Mann“, Argan (Johannes Senger-Bastian), der alles dafür tun würde, um eine möglichst umfangreiche, aber auch günstige medizinische Versorgung zu erhalten. So fasst er den Plan, seine ältere Tochter Angélique (Alexandra Fallmann) mit dem höchst angesehenen Arzt Thomas Diafoirus (Sigrid Könemund) zu verheiraten. Angéliques Herz ist jedoch bereits an Cléante (Bruno Strnad) vergeben. Außerdem entspricht Thomas Diafoirus so gar nicht Angéliques Vorstellungen von einem Mann an ihrer Seite, wenn auch seine körperlichen Vorzüge durch dessen Vater Monsieur Diafoirus (Tobias Wieland) in höchsten Tönen gelobt werden. Angéliques Stiefmutter Béline (Gudrun König) ist vor allem an Argans Vermögen interessiert und schmiedet diesbezüglich mit ihrem schmucken Notar (René Morper) ganz eigene Pläne.

Die heimliche Strippenzieherin des ganzen Stücks ist Argans Dienstmädchen Toinette (Jutta Stier), dem es schließlich durch geschicktes Taktieren doch noch gelingt, Angéliques und Cléantes Glück perfekt zu machen.

Die Inszenierung des eigentlich klassisch anmutenden Stücks überraschte die Zuschauer unter anderem mit einer mitreißenden Gesangseinlage von Angélique und Cléante (unterstützt durch Klavier: Karsten Grünberg und Cajon: Gregor Gund) mit „You’re the one that I want“, angelehnt an den Auftritt von Olivia Newton John und John Travolta in „Grease“.

Eine weitere Modernisierung erfuhr das Stück durch den Schluss: Durch eine Prüfung bei Gunterus Jauchus im Stile der Fernseh-Sendung „Wer wird Millionär?“ wird Argan dazu befähigt, selbst als Mediziner tätig zu werden.

Schließlich überraschte das geradlinige Bühnenbild in schwarz und gelb gehalten die Zuschauer: Außer dem bequemen Sessel Argans befanden sich lediglich zahlreiche gelbe Eimer auf der Bühne, die jedoch im Verlauf des Stücks in vielerlei Weise Verwendung fanden.

Der abschließende Applaus des Publikums hat gezeigt, dass es sich lohnt, sich auch außerhalb des regulären Schulbetriebs für die Schule zu engagieren, denn alle beteiligten Lehrer und Lehrerinnen sind in ihren Rollen aufgegangen und konnten das Publikum begeistern. Die Einnahmen des Stücks werden zur Hälfte für die Theaterarbeit am Wilhelmi verwendet und zur anderen Hälfte an „Ärzte ohne Grenzen“ gespendet.

Jennifer Winkler-Schmidt