Studienfahrten des Wilhelmi: Berge, Meer und zwei Weltstädte

Es bleibt wohl nichts so sehr von der eigenen Schulzeit haften wie ausgerechnet die Erlebnisse und Eindrücke der Unternehmungen, die einen aus der Schule hinausführen. Klassenfahrten, Landheime, Wandertage und Studienfahrten ins Ausland gehören zur Schule dazu und zum nachhaltigsten Lernen überhaupt. Am Wilhelmi-Gymnasium finden die Studienfahrten für die Oberstufe seit vielen Jahren zu Beginn der 12. Jahrgangsstufe statt. Es gibt klare Richtlinien für die Durchführung und den finanziellen Rahmen, was für die Eltern sehr wichtig und angenehm ist und dem Gymnasium immer wieder als sehr positiv zurückgemeldet wird.

In diesem Jahr ging es nach Sorrent zu den Vulkanen, nach Südtirol zum Gipfelstürmen, nach London für das einzigartige Metropolen-Erlebnis und nach Moskau für die Völkerverständigung. Jede der vier Fahrten hatte ihre besonderen und sicherlich unvergesslichen Momente. Den Vesuv nicht auf den üblichen touristischen Trampelwegen zu besteigen, sondern auf wenig bewanderten Abwegen erkunden zu dürfen, die Phlegräischen Felder mit dem noch sehr aktiven und bedrohlichen Solfatara-Vulkan zu erleben, Neapel sehen und danach noch vieles mehr sorgte in Süditalien für beste Stimmung in der Gruppe von Uta Kissenbeck und Thomas Hinger. Hoch hinaus wollte sich auch die schwindelfreie Truppe um Bettina Finck und Gregor Gund wagen, die zum Bergwandern rund um Bozen aufgebrochen war. Monte Roen, Hirzer, der Kleine Ifinger, natürlich ein Besuch beim guten alten Ötzi waren hier einige Stationen. Aber das eigentliche Highlight der Fahrt war die Gruppe an sich, die so toll zusammenhielt und mächtig Spaß hatte. Londons Sehenswürdigkeiten machten großen Eindruck auf die Englandfahrer zusammen mit ihren Lehrern Sebastian Schall und Sören Gottselig, dazu kam – echt Weltstadt eben – der Besuch eines Hindu-Tempels und eine Stippvisite nach Oxford, um schon mal ein wenig altehrwürdige Universitätsluft zu schnuppern.


Die Moskau-Fahrt wich ein wenig vom üblichen Studienfahrtsrahmen ab, da die beiden verantwortlichen Lehrer Axinja Roß und Dr. Karsten Grünberg neben den touristischen Höhepunkten der Stadt auch bewusst die Menschen in den Blick nehmen wollten. Gerade zu einer Zeit, in der man fast den Kalten Krieg wieder aufleben sieht, sollte die Begegnung mit russischen Schülerinnen und Schülern einen Teil des Aufenthalts ausmachen. Da das Wilhelmi-Gymnasium schon seit letztem Jahr Kontakt zu einem Moskauer Gymnasium pflegt, waren die Jugendlichen für zwei Nächte in Gastfamilien untergebracht. Schon am ersten gemeinsamen Abend beim Bowlingspielen war das Eis zwischen Deutschen und Russen gebrochen und die Herzlichkeit und Wärme der „russischen Seele“ berührte die Jungen und Mädchen sehr. Ein Programmpunkt war auch der Besuch im ARD-Studio bei der ehemaligen Wilhelmi-Schülerin und nun Auslandskorrespondentin Golineh Atai und Studioleiter Udo Lielischkies. Über drei Stunden sprachen die beiden Journalisten mit den Schülerinnen und Schülern über die politische Entwicklung Russlands und machten sehr deutlich, wie diktatorisch Putins Regime agiert. Gerade die mitunter widersprüchliche Mischung aus der Schönheit der Stadt mit ihren goldenen Kuppeln, Prachtstraßen und gewaltigen Gebäuden, die Offenheit und Gastfreundschaft der menschlichen Begegnungen und nicht zuletzt das Beleuchten der politischen Ebene machten diese Fahrt besonders eindrücklich.